GASLIGHTING
Kurz erklärt:
Gaslighting ist eine Form psychischer Manipulation, bei der jemand einen anderen Menschen wiederholt dazu bringt, an der eigenen Wahrnehmung, Erinnerung oder dem eigenen Urteilsvermögen zu zweifeln.
Kurz gesagt:
„Du hast das nicht richtig erlebt – du bildest dir das nur ein.“
Das Ziel oder die Wirkung ist, dass die betroffene Person ihrer eigenen Wahrnehmung immer weniger vertraut.
Umfangreicher erklärt:
Gaslighting bezeichnet eine Form der psychischen Manipulation, bei der eine Person versucht, die Wahrnehmung, Erinnerung oder das Urteilsvermögen einer anderen Person gezielt zu verunsichern. Die betroffene Person soll irgendwann an sich selbst zweifeln: Habe ich das wirklich so erlebt? Übertreibe ich? Bilde ich mir das ein? Bin vielleicht ich das Problem?
Der Begriff kommt vom Theaterstück und späteren Film „Gaslight“ aus den 1930er- bzw. 1940er-Jahren. Darin verändert ein Mann heimlich Dinge in der gemeinsamen Wohnung und behauptet anschließend gegenüber seiner Frau, sie bilde sich die Veränderungen nur ein. Unter anderem wird das Gaslicht schwächer, woraufhin er ihr einredet, sie nehme das nur falsch wahr. Daher stammt der Begriff.
Beim Gaslighting geht es also nicht einfach darum, dass zwei Menschen unterschiedliche Erinnerungen oder Meinungen haben. Entscheidend ist die systematische Verunsicherung: Eine Person stellt die Wahrnehmung der anderen wiederholt als falsch, übertrieben, irrational oder eingebildet dar – obwohl sie selbst weiß, dass das nicht stimmt oder zumindest bewusst versucht, die Wahrnehmung des Gegenübers zu untergraben.
Typische Aussagen können sein:
„Das habe ich nie gesagt.“
„Du bildest dir das nur ein.“
„Du bist viel zu empfindlich.“
„Du erinnerst dich falsch.“
„Das ist doch überhaupt nicht so passiert.“
„Mit dir kann man wirklich nicht vernünftig reden.“
„Du bist hysterisch.“
„Du machst aus allem ein Drama.“
Besonders problematisch wird Gaslighting, wenn es über längere Zeit geschieht. Die betroffene Person kann dadurch zunehmend das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung verlieren und sich immer stärker auf die manipulierende Person verlassen. Sie fragt dann vielleicht nicht mehr: Was habe ich erlebt?, sondern: Was sagt die andere Person, was passiert ist?
Gaslighting kann in Partnerschaften, Familien, Freundschaften, am Arbeitsplatz oder in anderen Abhängigkeitsverhältnissen vorkommen. Es muss dabei nicht immer bewusst und strategisch eingesetzt werden. Der Begriff wird allerdings häufig verwendet, wenn eine wiederkehrende manipulative Dynamik vorliegt.
Wichtig ist auch die Abgrenzung: Nicht jeder Streit, jede Lüge oder jede unterschiedliche Erinnerung ist Gaslighting. Menschen können sich tatsächlich unterschiedlich erinnern oder Situationen verschieden wahrnehmen. Von Gaslighting spricht man eher dann, wenn die Verunsicherung systematisch erfolgt und die Wahrnehmung der anderen Person gezielt entwertet oder manipuliert wird.
Warum ist Gaslighting so problematisch?
Weil es die Grundlage von Selbstvertrauen angreifen kann: das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung und das eigene Urteil. Wer ständig hört, dass die eigenen Erinnerungen falsch und die eigenen Gefühle übertrieben seien, kann irgendwann beginnen, tatsächlich daran zu glauben.
Gaslighting ist deshalb eine Form von psychischer Gewalt bzw. psychischer Manipulation, wobei die konkrete Einordnung immer vom jeweiligen Verhalten und Kontext abhängt.
