ETHNOPLURALISMUS

Kurz erklärt:
Ethnopluralismus bezeichnet die Vorstellung, dass unterschiedliche ethnische oder kulturelle Gruppen zwar als gleichwertig gelten können, aber möglichst getrennt voneinander leben sollen. Der Begriff wird insbesondere von der Neuen Rechten verwendet und gilt als eine Form bzw. Strategie moderner völkischer und ausgrenzender Ideologie.

Ethnopluralismus = „Vielfalt durch Trennung“ statt Vielfalt durch Zusammenleben.

Umfangreicher erklärt:
Ethnopluralismus ist ein politischer Begriff, der vor allem im Umfeld der Neuen Rechten verwendet wird. Er klingt zunächst nach dem Schutz kultureller Vielfalt, ist aber in der politischen Praxis häufig mit völkischen und ausgrenzenden Vorstellungen verbunden.

Ethnopluralismus geht vereinfacht von der Vorstellung aus: Verschiedene Völker und Kulturen sollen jeweils unter sich bleiben und ihre „eigene Identität“ bewahren. Dabei wird nicht unbedingt behauptet, eine Kultur sei „besser“ als eine andere. Stattdessen wird argumentiert, dass Kulturen „gleichwertig, aber verschieden“ seien und deshalb möglichst getrennt voneinander existieren sollten. Genau hier liegt das Problem: Hinter dem scheinbar positiven Begriff von Vielfalt steckt häufig die Forderung nach ethnischer und kultureller Trennung.

Ethnopluralistische Vorstellungen gehen häufig davon aus, dass Menschen eindeutig bestimmten „Völkern“, „Kulturen“ oder „Ethnien“ zugeordnet werden können und dass diese Gruppen ihre Identität bewahren müssten.

Das kann zu Vorstellungen führen wie:
– Einwanderung soll stark begrenzt oder verhindert werden.
– Menschen unterschiedlicher Herkunft sollen sich möglichst nicht vermischen.
– Eine Gesellschaft soll eine vermeintlich homogene kulturelle Identität bewahren.
– Menschen, die nicht in diese Vorstellung passen, sollen weniger selbstverständlich zur Gesellschaft gehören.

Deshalb wird Ethnopluralismus häufig als modernisierte Form ethnischer bzw. völkischer Ausgrenzung beschrieben.

Unterschied zu Rassismus:
Ethnopluralisten argumentieren häufig nicht mit einer biologischen Hierarchie von „Rassen“. Stattdessen lautet die Argumentation eher: „Alle Kulturen sind gleichwertig – aber sie gehören an unterschiedliche Orte.“ Das unterscheidet den Ethnopluralismus vom klassischen biologischen Rassismus. Die Vorstellung einer strikten Trennung von Menschengruppen kann aber trotzdem rassistische oder ausgrenzende Folgen haben.

Der Begriff wurde insbesondere im Umfeld der französischen Nouvelle Droite (Neue Rechte) geprägt. In Deutschland wurde er unter anderem durch den rechten Publizisten Henning Eichberg bekannt. Später wurde er von Teilen der deutschen Neuen Rechten aufgegriffen. Heute findet man ethnopluralistische Argumentationsmuster beispielsweise in Aussagen über eine vermeintlich bedrohte „kulturelle Identität“, über „Bevölkerungsaustausch“ oder die Forderung nach einer ethnisch bzw. kulturell möglichst homogenen Gesellschaft.