CLARA ZETKIN
Erst bürgerlich, dann proletarisch, immer für die Frauen
von Tobias Prüwer

„Wie der Arbeiter vom Kapitalisten unterjocht wird, so die Frau vom Mann“, erklärte Clara Zetkin. „Und sie wird unterjocht bleiben, solange sie nicht wirtschaftlich unabhängig da steht.“ Die gelernte Lehrerin aus bürgerlichem Elternhaus war als Journalistin und Rednerin tätig, wirkte erst als Sozialistin, dann Kommunistin und ist heute vor allem als Friedensaktivistin und Feministin bekannt. Sie gilt als wichtigste Vertreterin der proletarischen Frauenbewegung, hat den Internationalen Frauentag mit ins Leben gerufen. Als Abgeordnete saß sie für die KPD im Reichstag – als eine von wenigen Frauen. Bis heute wird sie kontrovers diskutiert. Die einen heben ihren Feminismus hervor, die anderen ihr orthodox-kommunistisches Denken, mal als Auszeichnung, mal als Kritikpunkt.
Erzgebirge und Internationalismus
1789 und 1848: Die Revolutionen in Frankreich und auf deutschem Boden bestimmen das Denken der Familie Eißner. Hier im erzgebirgischen Wiederau erblickt Clara am 5. Juli 1857 das Licht der Welt. Christlich und zugleich bürgerlich-liberal ist der Familienhintergrund. Der Vater arbeitet als Lehrer. Mutter Josephine hatte aus ihrer Leipziger Zeit Zugang zur bürgerlichen Frauenbewegung, kennt als Mitglied des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins dessen Pionierinnen Louise Otto-Peters und Auguste Schmidt. Letztere leitet ein Lehrerinnenseminar, wo Clara ihre für eine Frau seltene Ausbildung erhält. Leipzig ist Zentrum der Frauen- und der Arbeiterbewegung. Clara hört unter anderem Vorträge von August Bebel und Wilhelm Liebknecht, knüpft Kontakt zur Sozialdemokratie. Sie lernt den russischen Revolutionär Ossip Zetkin kennen, dessen Namen sie annimmt; ohne je zu heiraten – sie wollte ihre deutsche Staatsbürgerschaft nicht verlieren.
Clara Zetkins Beitritt zur Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP) führt zum Bruch mit ihrer Familie und den bürgerlichen Frauenrechtlerinnen. Seitdem grenzt sie sich von der bürgerlichen Frauenbewegung ab, weil es dieser nur um das Recht auf universitäre Bildung gehe, so Zetkin. Sie wollte allen Unterdrückten zur Seite springen.
Nachdem Zetkin als Erzieherin in Sachsen und Österreich arbeitete, zieht das Paar 1882 nach Paris, weil Ossip des Landes verwiesen wurde. Die uneheliche Ehe ist rechtlich riskant, gesellschaftlich nicht toleriert. Das Exilleben wird zur prägenden Erfahrung. Das Paar hat zwei Kinder, Ossip stirbt 1889 nach einer Krankheit. Clara Zetkin schlägt sich mit Sprachunterricht, Texten und Übersetzungen durch. Durch das Selbststudium der Schriften von Karl Marx entwickelt sie sich zur Marxistin und Internationalistin. Das heißt, sie betont den Zusammenhang der Arbeiterklasse weltweit gegenüber den Nationalstaaten, dem Slogan aus dem „Kommunistischen Manifest“ folgend: „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“
Dafür sollen sich die sozialistischen Parteien in einem Bund vereinen, dessen Beschlüsse für die Mitglieder bindend sind. Ein erster Versuch, solch eine Institution einzurichten, scheitert. Die Internationale Arbeiterassoziation spaltet sich in eine marxistische und eine anarchistische Fraktion. Nachfolgeorganisationen entstehen. So wird im Jahr 1889 die Sozialistische Internationale, auch Zweite Internationale genannt, gegründet. Den Gründungskongress in Paris bereitet Zetkin mit vor, referiert dort über die Frauenbewegung. Die Frau müsse vollständig gleichberechtigt leben und arbeiten dürfen, beruflich und gesellschaftlich gleichgestellt leben, so Zetkin. Ihre Aktivitäten machen Zetkin zur Pionierin der proletarischen Frauenbewegung. Durch diese Rede wird sie öffentlich als solche wahrgenommen, als Lautsprecher für die Frauenbewegung und die Sozialdemokratie – und später der Kommunisten und Kommunistinnen.
Wahlrechtsforderung und Internationaler Frauentag
Nachdem die Sozialistengesetze 1890 auslaufen, welche die sozialdemokratische und kommunistische Vereinsarbeit untersagten, kehrt Zetkin samt Kindern nach Deutschland zurück. Sie ziehen in die Nähe von Stuttgart, Zetkin heiratet den Maler Georg Friedrich Zundel. Er ist 18 Jahre jünger als sie, was alle damaligen Konventionen verletzt. Ihr wird die Redaktion der sozialdemokratischen Frauenzeitschrift Die Gleichheit angetragen. Sie engagiert sich sozial, ist aber auch in geselliger Runde unterwegs. Sie besucht unter anderem die Marxistin Rosa Luxemburg und den Gründungsvater der deutschen Sozialdemokratie August Bebel. Zetkin steigt in den Vorstand der SPD auf, wird auf der ersten Internationalen Konferenz sozialistischer Frauen 1907 in Stuttgart zur Vorsitzenden des Internationalen Frauensekretariats gewählt.
Auf der zweiten entsprechenden Konferenz 1910 in Kopenhagen schlägt die Politikerin zusammen mit der Frauenrechtlerin Käte Duncker die Einrichtung eines Internationalen Frauentags nach US-amerikanischem Vorbild vor. Dort gibt es bereits einen Frauenkampftag. Die Konferenzmitglieder beschließen: „Im Einvernehmen mit den klassenbewussten politischen und gewerkschaftlichen Organisationen des Proletariats in ihrem Lande veranstalten die sozialistischen Frauen aller Länder jedes Jahr einen Frauentag, der in erster Linie der Agitation für das Frauenwahlrecht dient.“
Das Frauenwahlrecht sieht Zetkin pragmatisch. Dieses werde die Frauenfrage nicht sofort lösen und die Unterdrückung beenden. Aber ein geeignetes Mittel zur Organisation der Frauen und zur Durchsetzung der Gleichberechtigung erkennt Zetkin schon darin. Schließlich feiern Frauen am 19. März 1911 den ersten Internationale Frauentag in Europa und zwar in Dänemark, Deutschland, Österreich, Bulgarien und in der Schweiz.
Erwerbsarbeit, Emanzipation, Frieden
Die Frau, so Zetkin, sollte „über sich selbst zu verfügen“. Dafür war das Recht auf Erwerbsarbeit notwendig, gleicher Lohn bei gleicher Arbeit, ihre gewerkschaftliche Organisation und nicht zuletzt die gleichen politischen Rechte. Eine starke Frauenbewegung aufzubauen, war unter damaligen Umständen schwierig. Die Frauen arbeiteten 14 bis 16 Stunden, dann warteten noch Haushalt und Kindererziehung.
Zetkin erkannte, dass der Kapitalismus mit seiner Gesellschaftsordnung für den Grundkonflikt zwischen Familienpflichten und denen im Beruf verantwortlich ist. Also muss diese Ordnung umgestaltet werden. Unabhängig von ihrem Geschlecht sollen alle Proletarier und Proletarierinnen den Kampf angehen. Aber Zetkin nuanciert: Die relative Autonomie der sozialistischen Frauenbewegung innerhalb der sozialistischen Bewegung müsste zur Not gegen die männlichen Genossen durchgesetzt werden. Zitat: „Ihre soziale Befreiung erringt sie, die Proletarierin, nicht wie die bürgerliche Frau und zusammen mit ihr im Kampf gegen den Mann ihrer Klasse, sie erobert sie vielmehr zusammen mit den Mann ihrer Klasse im Kampf gegen die so genannte bürgerliche Gesellschaft, das Gros der Damen der Bourgeoisie davon nicht ausgenommen.“
Mit wenigen anderen tritt Zetkin als sozialdemokratische Gegnerin des Krieges auf. Sie warnt vor dem Beginn des Ersten Weltkrieg, lehnt dann die „Burgfrieden“-Politik ab. Also das Zurückstellen aller reichsinternen Konflikte zugunsten der außenpolitischen Einheit stößt bei ihr nicht auf Zustimmung. Kaiser Wilhelm nennt sie wegen ihrer antimilitaristischen Haltung die „gefährlichste Hexe des deutschen Reiches“. Sie wird kurzzeitig inhaftiert, weil sie der USPD beitritt. Zetkin verliert den Leitungsposten der Gleichheit. 1919 schließt sie sich der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) an, arbeitet in der Leitung.
Das nehmen ihre Zeitgenossen als spektakulären Schritt auf, immerhin prägte sie lange die SPD, man sprach zum Teil von der Ära Zetkin. Die Konkurrenz zur sozialreformerischen SPD bleibt ein andauerndes Spannungsverhältnis innerhalb der organisierten Arbeiterschaft und die Frage, wer die proletarischen Massen hinter sich vereint. Privat erschüttert Zetkin die Ermordung Rosa Luxemburgs tief, die Trennung von Zundel setzt ihr ebenfalls zu. Mit Luxemburg, die sie 1899 kennenlernte, pflegte Zetkin eine enge Freundschaft. Sie schrieben sich persönliche Briefe und tauschten sich über politische Fragen aus. Die Verbindung hielt auch dann noch, als Rosa Luxemburg ein Verhältnis mit einem Sohn Zetkins hatte. Zur Stunde ihres Todes trug Luxemburg einen älteren Brief von Zetkin bei sich. Politisch jedoch verfolgte sie einen anderen Fokus als Zetkin, wie sie einmal schrieb: „Clara ist gut, wie immer, aber sie läßt sich irgendwie ablenken, sie bleibt in Frauenangelegenheiten stecken und befaßt sich nicht mit allgemeinen Fragen. Also bin ich ganz allein.“
Für den Kommunismus, gegen den Faschismus
Als Reichstagsmitglied für die KPD arbeitet Clara Zetkin ab 1920 in Berlin – als eine von nur 37 Frauen. Sie bleibt bis 1933 im Parlament. Als erste Abgeordnete der KPD hält sie dort eine Rede und fordert Solidarität mit der Sowjetunion (SU). Die dortige Oktoberrevolution hält Zetkin für vorbildhaft. Sie kennt und schätzt Wladimir Lenin, pendelt zwischen Berlin und Moskau. Nach Zetkins Überzeugung kann nur eine Revolution zu sozialer Gerechtigkeit führen. „Nach der Eroberung der politischen Macht, in der starken Faust des Proletariats gewinnt die Sozialreform eine andere Bedeutung“, schreibt sie über die Diktatur des Proletariats. Diesen „sauren Weg der ‚neuen Politik‘“ könne man nicht umgehen, um zum Kommunismus zu gelangen; also mit den Mitteln der Unfreiheit zur Freiheit zu finden. Es gilt schließlich nach Karl Marx, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“ Wie man zu diesen neuen gesellschaftlichen Verhältnissen findet, darum kreist die große Diskussion innerhalb der linken Bewegung – oder Bewegungen – seit dem 19. Jahrhundert. Im Grunde bis heute, auch wenn Gruppen mit positiven Bezügen auf die SU, den Stalinismus und die Deutsche Demokratische Republik deutlich weniger geworden sind.
Zetkin steht auf Seiten jener, die das nicht näher erläuterte Wesen der proletarischen Diktatur befürworten. Die posthum veröffentlichte Kritik von Rosa Luxemburg am Despotismus der Kommunistischen Partei der SU nach der Revolution weist Zetkin scharf zurück. Innerhalb der KPD setzt sie auf Disziplin, bekämpft zu radikale Strömungen sowie jene, die ihr zu reformistisch erscheinen.
Zetkin arbeitet als Mitglied des KPD-Zentralkomitees, ist Mitglied im Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale und Präsidentin der Internationalen Roten Hilfe. Doch geht sie allmählich – sicherlich auch aufgrund von Erkrankungen – in eine Art parteiinterne innere Emigration beziehungsweise gerät sie in Isolierung. Zumindest schwindet ihr Einfluss, auch aufgrund von Josef Stalins Befehlen aus Moskau an die deutsche KPD. Dessen diktatorischen Führungsstil lehnt Zetkin ab.
Ihr Bemühen um internationale Solidarität ist fruchttragender, etwa in einer Kampagne gegen die Hungersnot in Russland. Sie engagiert sich in der Gefangenenhilfe, also der Unterstützung von politischen Gefangenen und deren Familien. Beim Internationalen Antikriegskongress 1932 wird Zetkin zusammen mit Käthe Kollwitz, Maxim Gorki und Albert Einstein ins Weltkomitee gegen den imperialistischen Krieg gewählt. Sie setzt sich weiterhin für die Befreiung der Frauen ein, agitiert unter anderem für die Abschaffung des Paragrafen 218, der seit 1871 Schwangerschaftsabbrüche verbietet. Das Thema Frauengerechtigkeit gerät in der KPD in den Hintergrund, ist für Stalin überhaupt kein Anliegen. Die Bedeutung dieser Arbeit – und damit Zetkins eigene – verringert sich gegenüber der Vorkriegszeit maßgeblich. Das war bei anderen Mitstreitern Zetkins anders. August Bebel setzte sich vehement für die Emanzipation ein, die Russische Revolution unter Lenin setzte die Gleichberechtigung durch. In der KPdSU wurde eine Frauenabteilung eingesetzt, es gab das Internationale Frauensekretariat der Komintern (Kommunistische Internationale). Trotzdem blieb der Frauenanteil in der Führung der Komintern nur bei knapp fünf Prozent. Das hatte natürlich auch theoretische Gründe: Der Kommunismus basierte auf einer Klassenanalyse, darin hatte das Geschlecht als Kategorie keinen Platz.
Die Gefahren des Faschismus in Italien nimmt Zetkin zeitnah wahr, weist auf dessen Terror hin und warnt davor. Sie rät zu einer Einheitsfront der Arbeiter und Arbeiterinnen gegen die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP). Das tut sie auch in ihrer letzten große Rede 1932, als sie mit 75 Jahren als Alterspräsidentin im Deutschen Reichstag auftritt. Erstmals ist hier die NSDAP stärkste Kraft. Unter dem Geschrei und den Verächtlichmachungen der Nazis mahnt Zetkin, dass im Faschismus die Frau zur Gebärmaschine entrechtet werden wird. Dagegen müsse man zusammenstehen mit allen demokratischen Parteien. Dort verkündet sie außerdem den Zusammenbruch des Kapitalismus und bringt ihre Hoffnung zum Ausdruck, trotz „Invalidität das Glück zu erleben, als Alterspräsidentin den ersten Rätekongress Sowjetdeutschlands zu eröffnen“.
Tod, Nachwirkungen, Ehrungen
Am 20. Juni 1933 stirbt Clara Zetkin nach schwerer Krankheit in Archangelskoje bei Moskau, wohin sie sich krankheitsbedingt ins Exil begab. Ihre Urne wird an der Kremlmauer beigesetzt. Mutmaßlich rettete sie der Tod vor der späteren Verfolgung durch Stalin, der schon in ihrer früheren SPD-Mitgliedschaft genügend Anlass für eine solche gesehen haben dürfte.
Ihr Machtbewusstsein und ihre Führungskompetenz werden bis heute bewundert. Clara Zetkin ist für viele als eine zentrale Figur der sozialistischen Frauenbewegung ein Vorbild. So verleiht die Partei Die Linke den Clara-Zetkin-Frauenpreis. Besonders in der DDR wurde Clara Zetkin verehrt, zeigte der 10-Mark-Schein ihr Bildnis, trugen viele Straßen und Schulen ihren Namen – im Gegensatz zur Bundesrepublik. Die DDR-Regierung sah sich in einer Traditionslinie mit der KPD. Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) ist aus der Vereinigung von KPD und SPD hervorgegangen. Darum konnte man sich positiv auf Zetkin beziehen, sich als ihre Erben inszenieren. Man hob ihre Rolle als Frauenrechtlerin, aber auch als Verbündete mit der SU hervor. Man sah die Forderungen Zetkins erfüllt, wie schon die Verfassung formulierte: „Mann und Frau sind gleichberechtigt. Alle Gesetze und Bestimmungen, die der Gleichberechtigung der Frau entgegenstehen, sind aufgehoben“. Die Frauen hatten Arbeit bei gleichem Lohn, so die Behauptung. Dennoch verdienten Frauen häufig weniger, denn sie arbeiteten zum Teil in weniger qualifizierten Berufen. Und die Doppelbelastung der „zweiten Schicht“ in der Hausarbeit mussten auch viele von ihnen stemmen. Im ZK-Politbüro saß keine einzige stimmberechtigte Frau, im Ministerrat waren es in 40 Jahren gerade einmal zwei. Eine gläserne Decke existierte auch an vielen Stellen im real existierenden Sozialismus.
Orte, die mit Zetkins Biografie verbunden sind, wurden mit Gedenkstätten oder Ehrenmalen ausgestattet. So erinnert in Birkenwerder im zeitweiligen Alterswohnsitz von Clara Zetkin das Clara-Zetkin-Museum an sie. In Leipzig wurden 1955 einige historische Parkanlagen mit dem Namen Zentraler Kulturpark Clara Zetkin unter ein Dach gebracht. Heute sind mehrere Parks wieder aus dem Clara-Zetkin-Park ausgegliedert, der Ort des Clara-Zetkin-Denkmals heißt Johanna-Park. Die ehemalige Clara-Zetkin-Straße in Berlin wurde 1995 in Dorotheenstraße zurückbenannt. Mitten im Regierungsbezirk wollte man kein Andenken an eine Kommunistin ertragen müssen. Denn das sah man in der Bundesrepublik zuvorderst in Zetkin; nicht, dass man sich um andere, nicht kommunistische Frauenrechtlerinnen besonders geschert hätte.
Überhaupt ist die Erinnerung an Zetkin in der Gegenwart nicht mehr so präsent. Was selbstverständlich auch am Staatskult, den die DDR um sie herum pflegte, liegt. Jedes Jahr zum 8. März trägt das Leipziger Zetkin-Denkmal bis heute eine Blumenkette als Andenken.
Für die einen ist Zetkin eine Pionierin des Feminismus. Sie sehen vor allem ihr Eintreten für das Frauenrecht als ihr Werk an. Dass sie Sozialistin war, interpretieren sie milde als ein generelles Eintreten für soziale Gerechtigkeit. Andere betonen jedoch, dass Zetkin orthodoxe Marxistin war, die auch die Diktatur des Proletariats in der Sowjetunion mit all seiner Härten rechtfertigte. Dass sich das nicht ausschließen muss, lassen die wenigsten Menschen zu, die sich mit Zetkin beschäftigen. Dabei kann man sie für die eine Sache bewundern, für die andere kritisieren; wenn man Heldinnenkult abschafft und Menschen nicht auf Denkmalsockel hebt.
Als zentraler Gedanke von Clara Zetkin bleibt die Einsicht, dass politische Rechte wichtig sind, aber soziale Gerechtigkeit auch an wirtschaftliche Verhältnisse und deren Ausgestaltung gekoppelt ist. In ihren Worten: „Wenn die soziale Emanzipation von den politischen Rechten abhinge, würde in den Ländern mit allgemeinem Stimmrecht keine soziale Frage existieren. Die Emanzipation der Frau wie die des ganzen Menschengeschlechtes wird ausschließlich das Werk der Emanzipation der Arbeit vom Kapital sein.“
